Porlakshöfn, 15.07. – 23.07.

Wir haben uns entschlossen, in Porlakshöfn zu bleiben. Das ist ein gottverlassener Ort an der Südküste, ziemlich weit westlich. Er hat knapp 1500 Einwohner, die Häuser sind über eine große Fläche weit verteilt, es gibt einen großen Fischereihafen, wo wir freundlich aufgenommen wurden. Wir durften an einem großen Fischerboot festmachen. Beim Hafenmeister konnten wir kostenlos eine moderne Dusche benutzen, wenn er da war. Mussten wir die Wassertanks füllen, wurde uns ein Schlauch gelegt, Strom gab es auch und das alles umsonst.



Island hat 320 000 Einwohner auf einer Fläche von 103 000 Quadratkilometer, das entspricht etwa der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Im Großraum Reykjavik wohnen 63% der Bevölkerung. Man kann sich vorstellen, wie es außerhalb Reykjaviks aussieht. Besiedelt sind nur die Gebiete in Küstennähe.
Wir haben ein Auto gemietet. Auch das ging erfrischend unkompliziert. Porlakshöfn hat im Hafen eine Touristeninformation. Auf unsere Frage, ob es möglich wäre, hier ein Auto zu mieten, kam, wie erwartet, die Antwort:“Nein.“ Aber, meinte die freundliche, junge Dame am Schalter, sie telefoniert mal. Kurz darauf waren wir mit einem Stadtplan und einem Kreuzchen darauf ausgestattet, da sollten wir mal hingehen. Die Adresse erwies sich als ein Kunstglasergeschäft. Der Besitzer sprach sehr gut Englisch und meinte, er hätte 4 – 5 Autos und würde uns gern davon eines vermieten. Wir meinten, ein kleines würde uns reichen. Daraufhin telefonierte er erst mal. Wie sich später herausstellte, fragte er seine Tochter in Reykjavik, ob wir ihren Clio haben könnten. Sie lehnte das anscheinend ab, verständlicherweise. Schlussendlich bekamen wir seinen Pickup, ohne irgendwelche Formalitäten. Auf meine Frage, ob wir nicht irgendwas unterschreiben müssten, meinte er:“Nein, wozu? Wenn sie was kaputt machen, bezahlen sie das.“ Ganz einfach. Auf unserer Landkarte zeichnete er an, wo wir unbedingt hinmüssten. Für alles würde unsere Zeit niemals reichen. Nachdem er seine Angelsachen vom Wochenende ausgeladen hatte, durften wir von dannen ziehen.
Wir fuhren zur Halbinsel Reykjanes Richtung Westen. Unterwegs besuchten wir die Strandarkirkja, die Kirche der Seeleute. Sie wurde 1885 gebaut als Dank für die Rettung von Seeleuten. Obwohl die Kirche keine Gemeinde zu betreuen hat, zählt sie zu den reichsten des Landes.
Ein paar Kilometer weiter kamen wir nach einer Wanderung von knapp 2 km zur heißen Quelle Austurgjahver. Aus einem Berg blubberte schlammartiges Wasser in einem etwa 2 Meter großen, runden Loch. Es stank gewaltig nach Schwefel und fauligen Eiern. Das sah aus wie die Badewanne des Teufels, so es denn einen gäbe. Das Ganze ergoss sich den Berg hinunter in einen kleinen Fluss und war heiß.
Etwas weiter schauten wir uns das Geothermalgebiet von Seltun an. Hier gibt es etliche heiße Quellen und Schlammpötte, hübsch anzusehen – nur stinkt es hier ebenfalls beinahe unerträglich.


Die Fahrt führte uns weiter nach Amerika, ja tatsächlich. Über eine kleine Brücke gelangt man zu Fuß von einem Kontinent zum anderen. Island liegt auf der amerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte. Jedes Jahr driften diese Platten 3 cm auseinander. Die Brücke führt über eine sandige Spalte in der Lava. Irgendwann müssen die Isländer einen Teil ihres Landes an Amerika abtreten. Vermutlich machen sie sich darüber heute noch keine Gedanken. In Grindavik fanden wir einen Italiener, in der sich die Männer mit Pizza und ich mich mit Fisch stärkten.
Am folgenden Tag absolvierten wir das Island – Pflichtprogramm, den Golden Circle. Wer sich im Süden Islands aufhält, muss nach Pingvellir. Dort fand 930 (!) das erste Alping Treffen statt. Jedes Jahr trafen sich alle Isländer für 2 Wochen um Streitigkeiten zu schlichten. Dabei ging es schon recht demokratisch zu. Immerhin schafften die Isländer bis 1262, das Alping zu halten, dann dehnte der norwegische König seinen Einflussbereich auf Island weiter aus, ab 1380 regierte Norwegen komplett in Island. Pingvellir liegt in einem 27 Quadratkilometer großen Gebiet, steht seit 1928 unter Naturschutz und wurde 2004 zum UNESCO – Weltkulturerbe erklärt.
Weiter führt der Golden Circle zu den Geysiren, den heißen Springquellen. Touristen aus aller Welt versammeln sich täglich um den Strokkur, das `Butterfass`. Alle paar Minuten steigen große Dampfblasen auf, dann wölbt sich die Wasseroberfläche glockenförmig auf. Den Bruchteil einer Sekunde später schießt das Wasser explosionsartig 10 – 20 Meter in die Höhe. Und alle Nationen rufen einheitlich:“Aaaaah!“ Auch die Geysire liegen in einem landschaftlich sehr reizvollen Gebiet, dem Haukadalur.


Nun folgte das 3. Highlight – der Gulfoss. Er besteht aus 2 Wasserfällen. Der obere ist 11 m, der untere 21 m hoch. Man kann bis an die Kante des Hvita – Canyons laufen. Von hier aus sieht man den Gullfoss in seiner ganzen Pracht und spürt die kalte Gischt auf der Haut, wenn er in die insgesamt 32 m tiefe Schlucht stürzt.
Zum Gullfoss gehört untrennbar der Name von Sigridur Tomasdottir. Durch großen persönlichen Einsatz hat sie Anfang des 20. Jh. verhindert, dass ausländische Firmen den Wasserfall zur Stromerzeugung kauften. Seit 1979 steht er unter Naturschutz. Voller neuer Bilder kehrten wir nach Hause zurück.



Mittwoch – auf gen Norden! Erneut an Pingvellir vorbei, ging es zum Hraunfossar, zu den `Lavawasserfällen`. Die Fahrt führte uns an kargen Gegenden vorbei, Lavawüsten, in denen trotzdem immer wieder einzelne Gehöfte standen. Mir wird klamm ums Herz, wenn ich mir dieses einsame Leben vorstelle, vor allem im Winter mit seinen Stürmen, Kälte und Dunkelheit.
Nach etlichen Kilometern erreichten wir Hraunfossar. Sie gehören zu den `schönsten Kaskaden Islands`. Auf einer Breite von 1 km quellen unzählige, kleine Wasserfälle aus einem Lavafeld und ergießen sich in die Hvita. Eine wunderschöne Gegend!
Die Fahrt zurück führte über Akranes an Reykjavik vorbei.
Donnerstag – Ausflug nach Reykjavik. Darauf habe ich mich schon lange gefreut. Viele Besucher sagen, diese Stadt sei nichts Besonderes. Der Meinung bin ich nicht. Eine Großstadt muss nicht immer pompös sein. Unser erster Gang führte uns nach Arbair, in ein Freilichtmuseum. Mit viel Interesse schnüffelten wir in den alten Häusern der früheren Isländer herum. Michaels Kommentar: In 150 Jahren laufen dann die Menschen durch unsere Häuser und staunen, wie man so leben konnte. Ihr Fazit: Die sind ja auch nur 100 Jahre alt geworden.
Wir haben die alles überragende Hallgrimmskirche angeschaut – außen modern, groß, ungewöhnlich, 1947 begonnen, 1974 fertiggestellt. Sie soll die Landschaft Islands symbolisieren: Außenfassade – geometrisch angeordnete Basaltsäulen, Innenraum – hoch, neugotisch steht für die karge Weite des Landes, weißes Interieur – soll an Gletscher erinnern. Es gab auch Gegner dieser Kirche.


Mit dem Aufzug fuhren wir auf den 73 m hohen Turm. Reykjavik lag uns zu Füßen – bezaubernd, die bunten Dächer der Stadt leuchteten rundherum, in der Ferne strahlte das blaue Meer – ich war hin und weg. Die Stadt ist jung und quirlig.
Am späten Abend brachten wir Michael zum Flughafen. Traurig verabschiedeten wir uns. Leider war sein Urlaub zu Ende.
Freitag – gen Süden. Unser erster Stop war beim Seljalandsfoss, 40 m hoch. Wir liefen auf den glitschigen Steinen hinter dem Wasserfall durch und holten uns nasse Nasen, das hat großen Spaß gemacht.
Kurz darauf hielten wir an einem Informationszentrum unterhalb des Eyjafjallajökull. Eine Bauernfamilie ließ einen Film drehen, der dokumentiert, wie es ihr unterhalb des Gletschers ergangen ist, nachdem der Vulkan darunter 2010 ausgebrochen war. Wir sahen den Film auf Deutsch! Tief beeindruckend und bemerkenswert, wie viel Hilfe sie von ihren Landsleuten an Arbeitskraft und finanziell erhalten haben. In Zeiten großer Naturkatastrophen halten die Isländer zusammen.
Anschließend wanderten wir am 60 m hohen und 25 m breiten Skogafoss hoch.
Das Beeindruckenste war Kap Dyrholaey – der südlichste Punkt Islands. Hier steht ein Felsen mit einem so großen Brandungsloch, dass ein Böötchen durchfahren kann. Das Meer und der Wind haben hier wunderschöne, wilde Formen gebildet.
Samstag – 2. Ausflug nach Reykjavik. Mir gefällt die quirlige und trotzdem gemütliche Stadt sehr gut. Um 12 Uhr hörten wir ein Orgelkonzert in der Hallgrimskirkja. Die Orgel hat 5273 Pfeifen, dazu der hohe Innenraum – das hat Power. Der englische Organist jagte uns durch alle Stilrichtungen. Ein modernes Stück war spannend wie die Musik in einem Hitchcock Film.
Ein Hop on – Hop off Bus fuhr uns in einer Stunde einmal durch die Stadt. Nach dem Essen liefen wir zum Einar – Jonsson – Museum. Im Garten, der frei zugänglich ist, stehen beeindruckende Werke des Bildhauers.
Um 18 Uhr begann im Vulcano House ein Film über den Vulkanausbruch auf Heimaey, der bewohnten Insel der Westmänner und ein Film über den Eyjafjallajökull, auf Deutsch!
Gegen 20 Uhr waren wir zurück auf der Snow Goose. Der Wind blies mit 22 kn / 34 kn in Böen. Wir lagen geschützt im Windschatten des großen Fischerbootes und haben gut geschlafen.
Sonntag – Putz-, Einkaufs-(So!) und Schreibtag! Morgen heißt es Abschied nehmen, von hier aus fängt die lange Rückreise an. Ich wäre gern noch hier geblieben, Island ist faszinierend. Wir überlegen oft, woran das Besondere an diesem Land liegt. Vieles, was es hier gibt, gibt es in der Form nirgendwo anders. Es heißt, das Land sei jung – 8 Mio Jahre alt, es sei noch im Entstehen. Wohl wahr, wenn man die Filme über die Vulkanausbrüche sieht. So ungefähr hat mal die ganze Welt ausgesehen. Unfassbar, was in den Millionen von Jahren alles geschehen ist. Und wie kurz wir Menschen mit unseren etwa 80 Jahren dabei sind.

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