Finnen

Anfangs hatte ich in Finnland den Eindruck, Finnen mögen keine Deutschen. Wobei –  sieht man mir mein Deutsch – Sein an? Ich habe anscheinend immer noch einen Scanner in mir, der schaut, ob Deutsche willkommen sind. Aber – die Finnen sind wohl recht zurückhaltend. Mehr, als ein leichtes Neigen des Kopfes zu einem hin, darf man nicht erwarten. Wenn dann gar noch ein leises „Moi“ (Hallo) kommt, darf man sich glücklich schätzen. Wir Württemberger sind Fremden gegenüber auch nicht geradezu euphorisch aufgeschlossen. Tröstlich, dass andere Völker eine ähnliche Prägung haben. Schon Bertold Brecht, der 1933 nach Hitlers Machtergreifung nach Finnland emigrierte, schrieb am Ende eines Gedichts: `Und sieht ein Volk, das in zwei Sprachen schweigt.` Na, dann liegt es nicht an mir. Wobei ich mich schon frage, was sie von mir denken, wenn ich grinsend ein fröhliches `Good morning` von mir gebe?

Gern denke ich an die Menschen in Sri Lanka. Jedem schenken sie ein Lächeln, mit kindlicher Offenheit (bitte nicht verwechseln mit kindischer), schauen sie allem Fremden entgegen. Die Sprachprobleme sind dieselben, jedoch öffnet das Lächeln die Herzen.  

Aber – es gibt einen Platz, da tauen die `icemen` auf. Wenn sie mit Badehandtuch, Duschgel und Bierdose losziehen, dann nix wie hinterher, wenn man sich unterhalten möchte. Dann gehen sie in die Sauna. Dort sind sie aufgeschlossen, freundlich und unterhalten sich gern. (Naja, wenn man sich ganz nackig gegenüber sitzt…) So erlebte es Walter. Die Finnen saunieren in der Öffentlichkeit nach Geschlechtern getrennt.

Dort erfuhr Walter, dass die Einreise nach Russland vor ein paar Jahren schwierig war. Wenn nicht ein paar Geldscheine im Ausweis steckten, ließen einen die Russen stundenlang warten. Die Finnen hörten gern, dass Walter heute den Eindruck hatte, dass die Stimmung eher negativ von Bestechungsversuchen beeinflusst worden wäre.

 

Deutsche

 

Walter und ich überlegten, wann und wo für uns die Einreise nach Russland am kompliziertesten war. Wir kamen zu dem Schluss, das war in Maichingen auf dem Passamt. Wir brauchten einen zweiten Reisepass, um zwei Visa zu erhalten. In Russland sind die Bestimmungen so, dass ein Visum drei Wochen lang Gültigkeit hat. Wobei man zwei Einreisen beantragen darf. Drei Wochen waren für uns zu knapp. Wir wollten in aller Ruhe die baltischen Staaten besuchen. Letzten Endes lagen zwischen der Einreise nach Kaliningrad und der Ausreise von St. Petersburg sieben Wochen auf die wir nie verzichten wollten. Bei einem Geschäftsvisum liegen die Bestimmungen anders. 

Nachdem Walter der Beamtin in Maichingen unser Anliegen wegen eines zweiten Reisepasses vorgebracht hatte, war die Antwort:“Njet!“ Ein zweiter Reisepass würde nur aus politischen Gründen ausgestellt werden, da manche Länder, wie zum Beispiel die USA, manche arabische Staaten, Israel, die Einreise verweigern, wenn ein Stempel im Pass des jeweiligen feindlichen Landes ist. Bei uns ginge es ja nur um ein zweites Visum. Walter ließ nicht locker. Nach zwei Anrufen im Bürgermeisteramt in Sindelfingen wurde unserem Wunsch stattgegeben, halleluja!

Sobald wir zu Hause sind, müssen wir spätestens im September den Ersatzpass abgeben, obwohl das Ding bis Januar gültig ist. Wenn nicht, droht uns eine Geldstrafe.

Beim besten Willen fällt mir nichts ein, womit wir mit dem Pass eine strafbare Handlung begehen könnten. Allerdings stecke ich nicht viel Energie in solche Überlegungen. Walter meint, so wären eben die Bestimmungen, wir könnten froh sein, dass bei uns eine Ausnahme gemacht wurde. Wir sind dann wieder bei unserem Thema; ich bin der Meinung, ein Gesetz muss noch lange nicht gut sein, nur weil es ein Gesetz ist. In mir regt sich dabei immer ein jahrhundertaltes Aufbegehren. Am liebsten würde ich mit einer Mistgabel gegen die Obrigkeit losziehen. Zum Glück habe ich keine… Mistgabel.

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